17.06.2026 Wissenschaftskarrieren brauchen mehr als gute Ideen

Rund 80 Nachwuchsforschende diskutierten beim Tag der Wissenschaftler*innen 2026 über Zeit, Chancen und Karrierewege

Foto: Markus Farnung
Galerie anzeigen

Wie wichtig ist das richtige Timing für eine wissenschaftliche Karriere? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Tag der Wissenschaftler*innen 2026 an der Philipps-Universität Marburg. Rund 80 Postdocs, Promovierende und solche, die es werden wollen, aus unterschiedlichen Fachbereichen kamen in der Alten Aula zusammen, um über Karrierewege, persönliche Entscheidungen und die Rolle von Timing in der Wissenschaft ins Gespräch zu kommen.

„Alles braucht seine Zeit“

„Wissenschaftlicher Erfolg hängt nicht nur von der Qualität der Ergebnisse ab, sondern auch von Geduld und Ausdauer ebenso wie Flexibilität und Offenheit in Kombination mit gutem Zeitmanagement“, betonte Vizepräsidentin Prof. Dr. Sabine Pankuweit in ihrem Grußwort. Wissenschaft brauche Zeit zum Lernen, zum Experimentieren und auch zum Scheitern. „Wissenschaftliche Weiterentwicklung ist ein langfristiger Prozess, der auch das Timing braucht“, sagte Pankuweit und meint dabei die Fähigkeit, Gelegenheiten zu erkennen und zu nutzen, wenn sie sich bieten.

„Zeit und ich“

Unter dem Titel „Zeit und ich“ widmete sich Universitätspräsident Prof. Dr. Thomas Nauss in seiner Keynote den oft wenig geradlinigen Wegen wissenschaftlicher Karrieren. Anhand seines eigenen Bildungs- und Berufsweges schilderte er prägende Begegnungen, zufällige Wendungen und Entscheidungen, die sich erst im Rückblick als richtungsweisend erwiesen. So habe etwa ein Erdkundelehrer seinen Wunsch beeinflusst, Geografie zu studieren. Auch Umwege und „Extrarunden“ seien wichtige Bestandteile seines Werdegangs gewesen. Sein Fazit: „Irgendwie geht es immer weiter, und manchmal ganz anders, als man gedacht hat.“ Wissenschaftliche Karrieren seien nicht immer planbar – umso wichtiger sei es, offen für neue Möglichkeiten zu bleiben.

Diese Einschätzung teilten auch die Teilnehmenden der anschließenden Podiumsdiskussion. Dr. Armin Krawisch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft betonte, dass Karrierewege häufig weniger planbar seien als angenommen und dass es darauf ankomme, Chancen zu ergreifen, wenn sie sich ergeben. Nils Vief hob hervor, wie wichtig es sei, eine bewusste Entscheidung für oder gegen eine Promotion zu treffen – und dann durchzuziehen. Er selbst habe seine Promotion abgebrochen und dadurch neue Perspektiven gewonnen. Dr. Rebecca Hinrichs verwies auf die besonderen Bedingungen in den Naturwissenschaften: Der weitere Karriereverlauf hänge dort oft maßgeblich vom Erfolg einzelner Forschungsprojekte ab – und dieser lasse sich nur begrenzt planen. Moderatorin Dr. Velia Benthin zog das Fazit, dass es gut sei, sichtbar zu machen, dass wissenschaftliche Karrieren nicht immer geradlinig verlaufen: „Planung und Engagement sind wichtig, aber ebenso spielen Gelegenheiten, Begegnungen und das richtige Timing eine Rolle.“

Markt der Möglichkeiten

Bereits vor dem offiziellen Programm nutzten viele Teilnehmende die Gelegenheit zum Austausch auf dem „Markt der Möglichkeiten“. Zahlreiche Einrichtungen der Universität und ihrer Partner präsentierten dort ihre Unterstützungsangebote für Wissenschaftlerinnen in unterschiedlichen Karrierephasen:

  • MArburg University Research Academy (MARA) mit ihrem Qualifizierungs- und Beratungsangebot
  • Forschungscampus Mittelhessen (FCMH) mit der Infrastruktur-Datenbank für Forschungsgeräte „FinDMi“
  • Referat für Forschungsförderung der UMR
  • Open-Access-Förderung der Universitätsbibliothek
  • Transferabteilung der UMR
  • MAFEX - Von der Forschung zum Prototyp; mit Informationen zum Maker Space und zur Unterstützung von Gründungsvorhaben
  • StartMiUp - Innovations- und Startup-Campus der mittelhessischen Hochschulen
  • Allgemeine Promovierendenvertretung der Uni Marburg
  • Stabsstelle Antidiskriminierung und Diversität
  • Büro der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten
  • Microbes-for-Climate (M4C) 
  • Personalentwicklung mit Informationen zum Familienservice und zum Dual-Career-Support

Beim anschließenden Get-together setzten die Teilnehmenden die Gespräche fort und knüpften neue Kontakte über Fachgrenzen hinweg. Damit bot der Tag der Wissenschaftler*innen erneut eine Plattform für Vernetzung, Orientierung und den Austausch über die Chancen und Herausforderungen wissenschaftlicher Karrierewege.

Weitere Informationen
Tag der Wissenschaftler*innen 2026: Time&Timing in der wissenschaftlichen Karriere(planung) 

Kontakt